Ich hocke auf meinem Bett, aus dem ich immer noch jede Nacht mindestens einmal fast rausfalle, draußen prasselt der Regen auf die giftgrünen, halb-erblühten Blätter der Bäume, mein Nachbar oben oder seitlich hört Jazzmusik (oder spielt vielleicht sogar selbst gerade was am Saxophon oder so...?) und ich will und will und will einfach nicht lernen. Filologia italiana - morgen um halb zehn wird's zum ersten Mal ernst. Nach allem, was ich schon so über Prüfungen für Erasmus-Studenten gehört habe, muss ich mir aber keine Sorgen machen. Tu ich auch nicht. Es nervt nur ein bisschen. Aber der Sonntag ist eh verregnet (und laut meinem schlauen Mac-Wetterbericht noch die ganze Woche) - also, was soll's.
Gestern habe ich mir wiedermal erlaubt, das schöne Bologna für einen Tag zu verlassen. Aurelia und ich haben uns also für knappe 90 Minuten in den Regionalzug nach Venedig gesetzt und sind in Padova ausgestiegen. Es war leider kein strahlender Frühlingstag, auch haben die Temperaturen zu wünschen übrig gelassen, aber Padova hat uns dennoch beeindruckt: Die hübscheste Stadt, die ich bis jetzt gesehen hab. HÜBSCH ist tatsächlich das angebrachteste Adjektiv - ich wüsste nicht, wie ich sonst sagen sollte. Jedenfalls aber ganz, ganz anders als Bologna. Während man in Bologna die piazze (Plätze) suchen muss, bewegt man sich in Padova nur auf solchen - einer grenzt an den anderen. Ebenso sucht man in Bologna minuten-, ja auch stundenlang vergebens nach einem Fleckchen grün - in Padova jedoch zieren hübsche Bäume die Plätze und Gässchen. Überhaupt habe ich mich sehr viel "nördlicher" gefühlt (und es gab sogar einen BIPA, i wanna thank my hair, my face and my body), wenn man so sagen kann. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr zu Hause - von so mancher (süd)österreichischen Kleinstadt sagt man ja auch, sie hätte einen "italienischen Touch" - genau das hat Padova: einen hübschen, italienischen Touch. Der Rest ist Europa.
Das Entdecken dieses "europäischen" Norditaliens langweilt mich jedoch keinesfalls. Ich habe, sagen wir es so, viel zu früh einen viel zu extremen Teil dieses Landes kennengelernt, der jetzt mein Bild und meine Einstellung und alle meine zukünftigen Eindrücke prägt. Deshalb überrascht es mich, auch hier in (dem noch-ein-bisschen-italienischeren-und-vorallem-mittelalterlichen) Bologna täglich, wie zu Hause, wie wohl, wie überhaupt nicht in der Fremde verloren ich mich fühle. Ich denke, hier kann man doch ganz gut leben. Ob auf der Piazza Maggiore oder am Hauptplatz sitzen - ich habe das Gefühl, es würde für mich keinen Unterschied machen, hätte ich hier schon ein bisschen länger gelebt. Aber es macht schon jetzt keinen großen Unterschied.
Dennoch freue ich mich schon auf Ostern zu Hause... Da bin ich dann wieder kitschig... Lieblings-Cafès, Fitnesstudios, Shops, Restaurants, Discos, Lehrveranstaltungen, sogar Freunde findet man überall neue und schöne und tolle - die Familie bleibt aber, wo sie immer war... Deshalb muss man wieder Heim kommen, oder?
P.S.: Eine Auswahl an "italienischen Touch"-übermittelnden Fotos aus Padova:
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