Sonntag, 29. März 2009

Padova

Ich hocke auf meinem Bett, aus dem ich immer noch jede Nacht mindestens einmal fast rausfalle, draußen prasselt der Regen auf die giftgrünen, halb-erblühten Blätter der Bäume, mein Nachbar oben oder seitlich hört Jazzmusik (oder spielt vielleicht sogar selbst gerade was am Saxophon oder so...?) und ich will und will und will einfach nicht lernen. Filologia italiana - morgen um halb zehn wird's zum ersten Mal ernst. Nach allem, was ich schon so über Prüfungen für Erasmus-Studenten gehört habe, muss ich mir aber keine Sorgen machen. Tu ich auch nicht. Es nervt nur ein bisschen. Aber der Sonntag ist eh verregnet (und laut meinem schlauen Mac-Wetterbericht noch die ganze Woche) - also, was soll's.

Gestern habe ich mir wiedermal erlaubt, das schöne Bologna für einen Tag zu verlassen. Aurelia und ich haben uns also für knappe 90 Minuten in den Regionalzug nach Venedig gesetzt und sind in Padova ausgestiegen. Es war leider kein strahlender Frühlingstag, auch haben die Temperaturen zu wünschen übrig gelassen, aber Padova hat uns dennoch beeindruckt: Die hübscheste Stadt, die ich bis jetzt gesehen hab. HÜBSCH ist tatsächlich das angebrachteste Adjektiv - ich wüsste nicht, wie ich sonst sagen sollte. Jedenfalls aber ganz, ganz anders als Bologna. Während man in Bologna die piazze (Plätze) suchen muss, bewegt man sich in Padova nur auf solchen - einer grenzt an den anderen. Ebenso sucht man in Bologna minuten-, ja auch stundenlang vergebens nach einem Fleckchen grün - in Padova jedoch zieren hübsche Bäume die Plätze und Gässchen. Überhaupt habe ich mich sehr viel "nördlicher" gefühlt (und es gab sogar einen BIPA,  i wanna thank my hair, my face and my body), wenn man so sagen kann. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr zu Hause - von so mancher (süd)österreichischen Kleinstadt sagt man ja auch, sie hätte einen "italienischen Touch" - genau das hat Padova: einen hübschen, italienischen Touch. Der Rest ist Europa. 

Das Entdecken dieses "europäischen" Norditaliens langweilt mich jedoch keinesfalls. Ich habe, sagen wir es so, viel zu früh einen viel zu extremen Teil dieses Landes kennengelernt, der jetzt mein Bild und meine Einstellung und alle meine zukünftigen Eindrücke prägt. Deshalb überrascht es mich, auch hier in (dem noch-ein-bisschen-italienischeren-und-vorallem-mittelalterlichen) Bologna täglich, wie zu Hause, wie wohl, wie überhaupt nicht in der Fremde verloren ich mich fühle. Ich denke, hier kann man doch ganz gut leben. Ob auf der Piazza Maggiore oder am Hauptplatz sitzen - ich habe das Gefühl, es würde für mich keinen Unterschied machen, hätte ich hier schon ein bisschen länger gelebt. Aber es macht schon jetzt keinen großen Unterschied. 
Dennoch freue ich mich schon auf Ostern zu Hause... Da bin ich dann wieder kitschig... Lieblings-Cafès, Fitnesstudios, Shops, Restaurants, Discos, Lehrveranstaltungen, sogar Freunde findet man überall neue und schöne und tolle - die Familie bleibt aber, wo sie immer war... Deshalb muss man wieder Heim kommen, oder? 

P.S.: Eine Auswahl an "italienischen Touch"-übermittelnden Fotos aus Padova: 





Montag, 23. März 2009

la primavera...

... è arrivata! Es herrscht frühlingsthafte Stimmung hier bei mir in Bologna! =) Mir geht's immer noch sehr, sehr gut, ich genieße die Zeit, den Frühling, die Sonne (die es bei den 
vielen Arkaden und wenigen freien Plätzen in Bologna zwar schwer hat), die Lokale usw. Dieses Wochenende war ja Philip wieder bei mir - was wirklich, wirklich schön ist, aber eben auch Heimweh mit sich bringt. In den nächsten Tagen muss ich zum ersten Mal ganz ernsthaft anfangen zu lernen - hab nächsten Montag meine erste Prüfung. D.h. der erste Teil des Semesters ist schon vorbei und nächste Woche beginnen schon wieder neue Lehrveranstaltungen. (Kein schlechtes System eigentlich). Ich hab momentan nicht viel zu erzählen, aber es kommt sicher bald wieder über mich - bis dahin, genießt meine Fotos! 

Donnerstag, 12. März 2009

Erasmusstudenten...

...sind eh immer nur gsoffen.
Ein guter Grund sie als nicht-Erasmusstudent zu meiden. Zumindest hat mir das so ein Grazer Kollege beim Kaffee erklärt, als wir darüber diskutiert haben, wie die Italiener zu uns sind und wie wir eigentlich daheim zu den Erasmusstudenten sind, und ob wir sie nach der VO auf ein Getränk einladen würden. Einfach so. Nein. Eben. So einfach funktioniert das nicht mit den einheimischen Bekanntschaften. Vor allem, wenn man sich nur in erasmus'schen Gruppen bewegt. Zumindest abends. Aber einigen gefällt das so. Erasmusparties gibt's jeden Abend (jeden. nicht jeden Samstagabend, nein, jeden) drei, vier verschiedene, auf die man gehen könnte um... neue Erasmusstudenten kennenzulernen, unverschämt billig zu trinken und am nächsten Tag entweder besoffen oder gar nicht im Hörsaal zu sitzen. Und... nennt mich "alt", "prüde" oder "fad", aber ich bevorzuge da doch den Hörsaal und das, was ich da hören kann, im Sinne der Erfahrung mit der fremden Kultur und Sprache. 80% der Erasmusstudenten verstehen unter "Erfahrung" nämlich Erfahrung mit ihrem eigenen Alkoholkonsum und ... anderen Erasmusstudenten. Und ich muss gestehen, ich mach wiedermal alles anders als der "Prototyp". (Soviel also zu den "typischen Erasmusstudenten", zu "Stimmt es, dass man ein Semester bezahlte Party machen kann" und was-weiß-ich-für (wahren) Stereotypen - hier kommt die Überleitung zu meiner individuellen Erasmus-Erfahrung...) 
Mich machen die Arkadengänge, Cafès und Geschäftchen Bolognas richtig romantisch, in einem fast "filmreifen" Sinn... Ich spaziere stundenlang alleine durch unbekannte Gässchen, schreibe Postkarten beim Cappuccino und kaufe mir selbst Blumen am Markt. Ich höre der Professorin liebend gerne zu, wenn sie von d'Annunzio und Svevo schwärmt und über Dante, Manzoni und Verga zur italienischen Literatur der letzten Jahrzehnte überleitet. Vor lauter staunendem Lauschen schreibe ich allerdings kaum mit, was mich wiederum nach fast jeder der besagten Vorlesungen in die große Buchhandlung Feltrinelli, gleich unter den schiefen Türmen (von Bologna - haha, wir haben 2), führt und mich in etwa das Geld, das jene "typischen" Erasmusstudenten für Alkohol und Discoeintritte ausgeben, für Primär- und Sekundärliteratur zu den mir schon Bekannten und noch Unbekannten der italienischen Literaturgeschichte ausgeben lässt. Einsame Romantik verbraucht genauso viel Geld wie wilde Party. Aber die Sache ist die; ich hab das Gefühl, ich kann momentan eh nichts anderes machen! Ich muss durch die Gässchen spazieren, Postkarten schreiben und Bücher und Blumen kaufen, weil ich sonst meine Zeit damit verschwenden würde, das NICHT zu tun. 
Wenn ich genug habe von "einsamer Romantik" und mir meine eigenen Gedanken und die italienische Literaturgeschichte auf die Nerven gehen, geh ich ins Fitnessstudio (also fast jeden Tag =) )! Auch etwas, das prinzipiell viel zu viel kostet, aber mir doch das Gefühl gibt, es wäre meine einzige Möglichkeit meine Zeit gescheit zu nützen. Und übrigens; so allein bin ich in meinem intellektuellen Flanieren und Genießen gar nicht - Ich hab mir instinktiv gleich in den ersten Tagen hier die richtigen Leute gesucht... Französinnen, die drei Stunden in einem Museum verbringen können, Engländerinnen, die vier Stunden am Tag Briefe an Verwandte und Freunde schreiben, Kolumbianer, die drei mal die Woche in klassische Konzerte und Opern gehen. Ich bin also unter Gleichgesinnten! Studenten, denen Italien eine Art Muse ist. Für mich, die Muse, die mir das Genießen und "Chillen" endlich lernen und dem Stress eine Absage erteilen will. Und ich meine ja nicht, dass wir nicht auch gut essen gehen, Wein und Amaretto trinken und uns die Discos außerhalb der Stadtmauern anschauen - tun wir, tun wir =) Ich seh's nur nicht als meine "Erasmus-Mission", das wollte ich sagen. Und ich wollte sagen, dass ich sehr überrascht bin, von der gemütlichen, altmodischen und (ich wiederhole mich) romantischen Atmosphäre, die mich umgibt. Mir geht's so richtig gut. Ich entspanne und gleichzeitig staune ich jeden Tag und lerne Neues kennen. Ich genieße. I chill' so dahin... =)

Mittwoch, 4. März 2009

il Marzo pazzo

Die Zeit vergeht und schon bin ich schon fast ein Monat im schönen Bologna. Manchmal vergesse ich beinahe, dass ich hier mit ERASMUS in ITALIEN bin: Studenten auf Fahrrädern, Fahrradwege (!), Autos, die vor dem Zebrastreifen anhalten... Und dann ganz plötzlich; der Gestank einer alten Vespa, darauf ein Markenprolo mit Sonnenbrille, auch wenn es regnet, ein Toaster, eine Matratze, ein halber Stuhl einfach so neben den überfüllten Mülltonnen (auf denen völlig umsonst draufsteht, was man hineinwerfen sollte) abgestellt, eine Bar, aus der aufgeregtes Gequatsche und der Duft frischer cornetti strömt...
Aber doch, liebe Leute, Sizilien war ganz anders... die Menschen, die Farben, die Gerüche... vor allem die Gerüche. Ich verstehe inzwischen sehr gut, wie der Experte von den unterschiedlichen "Italiens" sprechen kann - ja, ich finde es sogar absurd, dass dieses hier EIN Land sein soll. Das wäre, als würde man Österreich und die Schweiz Deutschland anhängen - aber nur, weil wir im Grunde dieselbe Sprache sprechen, fühlen wir uns doch noch längst nicht als Nation! So muss sich der Sizilianer in Norditalien fühlen - ja, ca. so wie ich mich in Bremen oder Hamburg fühlen würde - einfach nicht daheim, einfach nicht gleich, obwohl mich die Leute verstehen und ich sie... die da oben sind ein anderes Volk...
Nun gut, wenn ich hiermit den Eindruck vermittle ich würde unser liebes, schönes Österreich als "Sizilien Deutschlands" bezeichnen, möchte ich wieder alles zurück nehmen: Um Gottes Willen!!! Ich will eigentlich nur sagen, diese Unterschiedlichkeit der Italiens beschäftigt mich und ich versuche mir meine Antworten eben selbst zu "erdenken", denn es ist gar nicht so leicht.

Appropos liebes, schönes Österreich: Ich komme zu Ostern Heim und bleibe ganze 10 TAGE!! Habe das Zugticket gestern bestellt. =D Ich freu mich so! Tja, Heimkommen ist eben das Beste am Wegfahren, ich weiß auch nicht genau warum... 

Das Wetter lässt seit dem Wochenende zu wünschen übrig: es ist grau und irgendwie schwül, es regnet und ist wieder kalt und, wenn der Regen aufhört ist es wieder schwül... (Übrigens ist es in Bologna dank der ca. 40 km Arkaden recht schwer bei Regen nass zu werden... Ich habs trotzdem schon geschafft - die 2 min von mir zu Hause zu den 1. Arkaden...tja...) Das zieht die Stimmung ein bisschen runter. Auf guten Rat meiner lieben Mami bin ich deshalb gestern (mit dem Ziel der Aufheiterung) shoppen gegangen. Erst als ich völlig entnervt endlich den Zara und schließlich auch den H&M hinter mir lasse, geht mir ein Licht auf: die italienische 38 ist vielleicht eine deutsche 36! Immerhin haben sie ja eigentlich GANZ andere Zahlen als Kleidungsgrößen und beim H&M gibt es einfach nochmal andere Maße...! *?* Bitte, sagt mir, dass es so ist...!!!

Außerdem muss noch das Highlight der letzten Tage erwähnt werden: das Konzert der "Puppini Sisters", auf das mich meine französichen und englischen Erasmus-Gefährtinnen mitgeschleppt haben! Ich hätte losheulen können vor Begeisterung! Bzw. lostanzen. Oder lossingen. (Und zugegeben singe ich seit Sonntagabend auch nur noch... I love coffee, I love tea...) Es handelt sich also um eine englische Gruppe von 3 Frauen, wovon eine ursprünglich aus Bologna stammt. Die 3 treten im 40er Jahre Look auf und covern moderne Songs im, siehe da, 40er Jahre Stil! ECHT genial! Noch dazu sind sie einfach herrliche Entertainerinnen, tanzen und quatschen und machen Witze... wirklich sehenswert (mehr als das).

Am Sonntag Vormittag haben Aurelia und ich uns Parma angeschaut (liegt 1 Std. entfernt) und mehr VERDI als SCHINKEN gesehen und bewundert, was mir aber eh lieber war... Leider war das Wetter auch dort eher grau und Ausflugs-untauglich. Aber, was soll's: in Italien gibt es den "April - macht was er will" dafür nicht, da dessen meterologische Funktion hier vom "Marzo pazzo" (verrückten März) übernommen wird. Insofern hab ich das Sauwetter also einfach schneller hinter mir ;-)

Lieber Leser, lasst mal was von euch hören (wenn ihr das nicht eh tut) und bald sehen wir uns vielleicht schon... dickes BUSSI ciaociao





Sonntag, 1. März 2009

Dolce Vita mit Dolce Amore

..."Fotolovestory" der letzten Woche mit meinem Schatziiii =) 
Philip hat mich von Sonntag bis Samstag besucht und ich hab die Gelegenheit genutzt um die vielen Trattorias, Bars und Osterias in den verwinkelten Gässchen Bolognas besser kennenzulernen. D.h.: Wir haben's uns RICHTIG gut gehen lassen =D
Leider hab ich mich aufgrund eines Migräne-Angriffs zwei Tage lang beinahe nicht aus dem Bett bewegen können, aber, auch wieder gut, ich hatte ja jemanden, der mir Gesellschaft leistete. Ich gebe zu, der erste Schub Heimweh ging leider Hand in Hand mit Philips Abreise - also schreibt mir mal und erzählt mir, wie's euch so geht... (Und übrigens; ich krieg so gerne Pooost ;-))





Neue Berichte kommen sicher bald... BUSSi